Norbert Berns-Müller und Josef Schäfermeier bei der legendären PBP-19te Auflage

Paris – Brest – Paris - vom 18.08. bis 22.08 2019

Tourbericht: Josef Schäfermeier

Wie es begann: im Feb. 2018 hat mich Norbert Berns-Müller angesprochen ob ich nicht Interesse hätte, in 2019 mit ihm PBP zu fahren. Da ich im Jahr 2017 meine offenen Arbeiten nach dem Bau unseres Hauses nachgearbeitet hatte und ab Oktober wieder regelmäßig mit dem Bike gefahren war, habe ich spontan zugesagt und dass ich es versuchen würde.

Im März 18 haben wir dann unser erstes 300-er Brevet vom Niederrhein nach Holland ans Veluwe Meer gefahren. Anschließend ein 200-er von Troisdorf ins Sauerland und ein 400-er vom Niederrhein nach Namur in Belgien. Es folgten dann ein 600-er von Wuppertal nach Holland – Belgien – Luxemburg und durch die Eifel zurück nach Wuppertal; danach sind wir von Saarlouis nach Dieppe (in der Nähe von Le Havre) und zurück ein 1000-er gefahren. Somit konnten wir am 14.01.19 mit der ersten Gruppe unsere Vorregistrierung für PBP vornehmen.

In 2019 mussten dann die Teilnehmer bis zum 30.06. eine Brevet-Serie erfolgreich fahren, um die Anmeldung vornehmen zu können. Im Januar und Februar habe ich so gut wie nie auf dem Bike gesessen. Anfang März habe ich dann erstmals wieder auf dem Rad gesessen. Das 200-er hatten wir schon am 21.12.18 absolviert, eine Nachtfahrt von Wuppertal nach Venlo mit heftigstem Gegenwind und zurück die halbe Strecke im Dauerregen. Das 300-er haben Norbert und ich von Troisdorf in die Eifel und dann durch den Westerwald zurück am 20. April gefahren. Am 11. und 12.5. habe ich ein One-Way-Brevet (400-er) von Troisdorf nach Norddeich gefahren, bis Dortmund im Regen und dann starker Gegenwind bis ins Ziel. Das 600-er sind Norbert und ich wieder gemeinsam an Christi Himmelfahrt von Troisdorf aus gefahren, erst die Sieg hoch bis zur Quelle und dann zur Lahnquelle bis zur Mündung in den Rhein bei Koblenz. Weiter die Mosel hoch mit einem brutalen Abstecher in den Hunsrück, zur Mosel zurück und dann lang durch die Eifel bis Troisdorf. Weils so gut gelaufen war, habe ich dann Pfingsten noch ein 600-er vom Niederrhein durch Holland und Belgien nach Frankreich zurück durch Belgien und dann die Eifel bis zum Niederrhein gefahren. Endlich konnte wir unsere Anmeldung für PBP tätigen.

Basislager

Wir haben uns für die 84 Stunden Variante mit Start am Morgen entschieden um eine Nacht weniger im Sattel zu sitzen. Am Montag den 19.08.19 um 5.15 Uhr ist unsere Startzeit. Samstag den 17.08. sind wir um 8.15 in Soest gestartet und waren gegen 15.30 in Rambouillet, dort haben wir erst einmal das Schloßgelände, wo Start und Ziel sowie Anmeldung, Ausstellungsstände und Stellplatzmöglichkeiten für die Fahrzeuge ausreichend vorhanden sind, erkundet.

Um 17.00 haben sich die deutschen Teilnehmer zum Austausch und Fototermin getroffen. Sonntag haben wir dann unsere Startunterlagen (Rahmenschild, Lenkerschild und Helmaufkleber, sowie Windweste und Trikot erhalten und anschließend angebracht.

Ab 15.00 wurde dann in 300-er Blöcken im Abstand von 15 Minuten gestartet. Begonnen haben die Sonderfahrräder und dann die Starter mit 80 Stunden Zeitvariante. Ab ca. 17.00 wurden dann die Starter mit der 90 Stunden Option gestartet, wobei bis 21.30 gestartet wurde.

Nach einer kurzen Nacht und einem Frühstück mit Power-Müsli ging es für uns dann um 5.17 als vorletzte Startgruppe los. Wir sind im letzten Drittel der Gruppe gestartet und nach ca. 15 km waren wir vorne mit dabei und haben die ersten Fahrer der vor uns gestarteten Gruppe überholt. Bis zur 1. Verpflegungsstelle war das Tempo in der Gruppe sehr hoch. An der Verpflegungsstelle haben wir Wasser nachgefüllt, ein Brot gegessen und sind gleich weitergefahren. Dort sind wir mit dem deutschen Organisator der Brevet´s, Rainer Paffrath unterwegs gewesen. Nach ca 1 Std. musste ich abreißen lassen, da das Tempo für mich in dieser Gruppe zu hoch war. Gut das die 1. Kontrolle in Villaines-la-Juhel um 13.52 Uhr bald darauf erreicht war. Nach einer ausgiebigen Pause und entsprechender Stärkung ging es dann weiter nach Fougeres. Die nächsten 100 km habe ich immer wieder gegen Krämpfe in beiden Oberschenkeln gedehnt und gestreckt – die Raserei und der Gegenwind, der uns bis Brest erhalten blieb, verlangten ihren Tribut!

Um 17.41 Uhr erreichen wir Fougeres, wo dann ausgiebig gegessen und getrunken wird, bevor es weiter nach Tinteniac zur nächsten Kontrolle geht.  Tinteniac erreichen wir um 21.50 Uhr, hier machen wir nur eine kurze Verschnaufpause und schon geht es weiter in die dunkle Nacht nach Loudeac, wo wir um 2.49 Uhr ankommen. Nach einer längeren Verschnaufpause mit Power-Napping (schlafen am Tisch), brechen wieder im Dunklen auf, um nach Carhaix-Plouguer zu fahren, wo wir um 8.19 Uhr im ersten Tageslicht ankommen. In den letzten Stunden haben wir immer wieder Nebelbänke durchfahren und die Nacht war entsprechend kühl und feucht, so dass meine Softshelljacke nass war.

Hier treffen wir nun Felix, Mattihas und Thomas, die schon auf dem Rückweg sind, ihr Start war am Sonntagnachmittag. Nach 2 Stunden Pause starten wir nun nach Brest, dem Wendepunkt der Tour. Auf dem Weg nach Brest wird der höchste Punkt der Tour mit 350 HM überfahren, wonach dann eine rasende Abfahrt über 25 km folgt. Nach kurzer Rast am Straßenrand geht es weiter in Richtung Brest, in unserem Windschatten sammeln sich mind. 30 Fahrer|innen und folgen uns bis zur Brücke vor Brest, wo wir anhalten und Fotos machen. Um 14.03 Uhr haben wir den Wendepunkt erreicht, und sind bisher 32.45 Std. unterwegs.

Wendepunkt - Brest

Nun wird die noch zurückzulegende Strecke mit jedem Kilometer kürzer und wir kennen den größten Teil der Route schon. In der Anfahrt zum höchsten Punkt machen sich bei Norbert beide Achillessehnen bemerkbar und es kommt zu einer ersten Unterbrechung, wobei er bis ins Ziel mit Schmerzen unterwegs ist. 18.34 Uhr erreichen wir wieder Carhaix-Plouguer.

In der nun kommenden Nacht drehte der Wind auf Ost, so dass wir wieder etwas kräftig    er in die Pedale treten mussten. Nach einer warmen Mahlzeit sind die Akkus und Trinkflaschen wieder voll, bevor wir weiterfahren, lassen wir uns von einem freundlichen Helfer ablichten.

 

Dann geht es nach Loudeac, wobei wir viele Gruppen durchfahren und bis zur „Geheimkontrolle in Saint Nicolas-du-Pelem“, ein sehr hohes Tempo machen. 00.10 sind wir in Loudeac, verpflegen uns noch einmal um dann nach Quédillac einem Verpflegungspunkt zu fahren, wo wir ca. 4 Std. in einer Halle schlafen. Nachdem ich mich hingelegt habe bin ich auch schon eingeschlafen und wache ca. 2 Min vor 7.00 Uhr, unserer gewünschten Weckzeit auf. Noch vollkommen Schlaftrunken bestelle ich mir ein Frühstück und wundere mich, dass die Menschen französisch sprechen! Erst beim Essen werde ich richtig wach und realisiere wo ich wirklich bin. Nach einer Bummelfahrt bis Tinteniac, wo wir um 9.18 ankommen, fahren wir nach Foughers weiter.

Der Abschnitt ist sehr wellig mit entsprechend vielen HM und Gegenwind. Dann fährt von hinten eine belgische Gruppe auf, die uns sicherlich 2 Stunden mitnimmt, es wird eine wirklich flotte Fahrt bis Villaines-la-Juhel. Dort werden die belgischen Fahrer von einem Betreuer empfangen und entsprechend versorgt, wir durchfahren die Kontrolle und versorgen uns dann in der Stadt, da die Verpflegung in der Kontrolle nicht unseren Vorstellungen entspricht.

Nach entsprechender Stärkung und Pause starten wir wieder zur nächsten Kontrolle in Mortagne-au-Perche, welche wir um 21.23 Uhr im Dunkeln erreichen. Dies ist nun die dritte Nacht und ich kann mich z.Zt. nicht an die Kontrolle dort erinnern. Der nächste Abschnitt bis Dreux führt uns durch Wälder, wobei die Blätter der Bäume von unten angestrahlt werden und ich habe das Gefühl, ich in einem Tunnel unterwegs zu sein. Die nächsten 4 Stunden verbringe ich in einem Flow, den ich bisher so noch nicht erlebt habe – eine neue Dimension habe ich mir „erfahren“. In einem kleinen Ort bieten die Bewohner heiße Getränke und kleine Snacks an, die wir dankend annehmen. Um 3.08 erreichen wir endlich Dreux wo wir noch einmal etwas essen um dann die letzten 45 km nach Rambouillet abzustrampeln.

Nach der Durchfahrt einer Bahnunterführung in Dreux verabschiedet sich mein rechtes Pedal, das Gewinde ist ausgerissen und ein Stück abgebrochen. Also zurück zur Kontrolle, wo auch ein Servicestand vorhanden ist. Der Techniker schaut sich den Schaden an uns macht mir keine Hoffnung, dass er helfen kann. Wir überlegen was wir machen können und Norbert bietet mir an, mich am kommenden Morgen in Dreux abzuholen oder ein Ersatzrad zu besorgen. Er fährt dann zum Ziel und ich lege mich in der Turnhalle zum Schlafen mit der Bitte, um 8.00 Uhr geweckt zu werden.

Um 8.00 stehe ich auf und überdenke noch einmal meinen Beschluss, die restliche Strecke mit dem linken Bein zu fahren und falls erforderlich das Rad zu schieben. Nachdem ich die Unterführung mit links geschafft habe steigt die Zuversicht, doch noch zügig bis Rambouillet ins Ziel zu kommen. Auf den Geraden habe ich keine Probleme und fahre ca. 22 – 25 km/h, an den Steigungen muss ich vorausschauend Schalten, um einen runden Tritt beizubehalten. Dies gelingt mir bis auf einen Anstieg, den ich dann schiebend erledige. Nach gut 2 Std erreiche ich Rambouillet das Ziel der Tour, ich bin die Strecke von 1225 km und 11300 HM – in 77.14 Std gefahren.

   Geschafft – Finisher 2019